Sozialismus für Dummies

Wie oft streiten wir über soziale Ungerechtigkeiten, Ausbeutung, Privilegien einzelner und auch dem ungleich verteilten Zugang zu Bildung und bleiben mit unserer Analyse der kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung doch im Ungefähren?

 

Im Wintersemester 2016/ 2017 wollen wir euch mitnehmen auf eine kurze Reise durch die sozialistischen Theorien. In drei Veranstaltungen werden wir uns eingehender mit den Wurzeln sozialistischer Politik beschäftigen.

 

Dabei leiten uns die Fragen:

  • Was haben frühere Generationen von Denkern und Vertreter*innen der Arbeiterbewegung zu gesellschaftlichen Transformationen gesagt?
  • Was haben wir schon selbstverständlich in unsere politische Agenda aufgenommen und was wäre wert, noch einmal besprochen zu werden?

Wir wollen dabei das Rad nicht neu erfinden, sondern einen Einstieg geben, der uns in der täglichen politischen Arbeit Orientierung bietet.

 

Daher laden wir euch ein, mit uns Antworten auf diese Fragen zu suchen und zu finden.

 

Alle Veranstaltungen finden jeweils um 18:15 Uhr auf der AStA-Ebene statt und stehen natürlich allen Interessierten offen.

STARTSCHUSS SOZIALISMUS. FRÜHSOZIALISTISCHE IDEEN.

10. November 2016

Die Veranstaltung wird von Mitgliedern der Hochschulgruppe erarbeitet.

„Denn die soziale Frage, die der klassischen Arbeiterbewegung zugrunde lag, ist in Zeiten von Reallohnsenkungen, Arbeitszeitverlängerungen und Sozialabbau drängend wie nie. Strategien gegen diese Politik müssen heute anders ausfallen als im 19. und 20. Jahrhundert. Dennoch offenbart der Blick in die Geschichte erstaunliche Parallelen zu heutigen Debatten.“

(Ralf Hoffrogge)

Wo liegen die Ursprünge sozialistischer Ideen? Wie konnte sich überhaupt eine so große und geschichtlich wirkmächtige Bewegung wie die der Arbeiter*innen herausbilden? Was haben zeitgenössische Theoretiker*innen vor Marx zu den sie allgegenwärtig umgebenen Umwälzungen gesagt? Diesen Fragen wollen wir mit euch zum Auftakt unserer Veranstaltungsreihe nachgehen.

 

Natürlich gab es auch schon in der Antike Philosophen, die eine später als „sozialistisch“ eingestufte Theorie der Welt entworfen haben. In der Renaissance wird später etwa Thomas Morus mit seiner „Utopia“ genannt. Doch wollen wir uns – im Hinblick auf den Gesamtkontext der Veranstaltungsreihe und ihrem Fokus auf die sozialistischen Theorien der Arbeiterbewegung – in dieser Veranstaltung auf die Zeit im Vorfeld der französischen Revolution bis zur Revolution 1848/49 konzentrieren.

 

Wirtschaftlich und gesellschaftlich zeichnet diese Epoche ein tiefgreifender Wandel aus: Mit Einzug der großen Industrie – zunächst vornehmlich in England und Frankreich – und der schrittweisen Beseitigung des Feudalsystems verändert sich der Alltag und die Lebensweise der Bevölkerung grundlegend: Nicht mehr die Zünfte bestimmen, wer welchen Beruf ausüben kann oder nicht. Nicht mehr die Landwirtschaft und die Natur bestimmen mehrheitlich den Tagesablauf, sondern der Takt der Maschinen in den Fabriken und Manufakturen. Einher geht diese Entwicklung mit einem massiven Bevölkerungszuwachs sowie der Verelendung großer Bevölkerungsteile in den boomenden Städten.

 

Nicht überraschend ist also, dass bereits in dieser Zeit vor Marx viele vorwiegend französische und englische Theoretiker über die Umgestaltung der Gesellschaft nachdachten. Nicht alle bereits mit einem revolutionären Drang und mehrheitlich dem Fortschritt nicht abgeneigt, beantworteten sie die Fragen ihrer Zeit mit diversen Erklärungs- und Deutungsansätzen. Einige unter ihnen werden wir im Laufe des Abends kennenlernen.

Kommunismus in 90 Minuten

06. Dezember 2016

Der Referent ist Prof. Dr. Smail Rapic der Bergischen Universität Wuppertal.

„Der Versuch, den Himmel auf Erden zu verwirklichen, erzeugt stets die Hölle.“

(Karl Popper)

Dieses berühmt gewordene Fazit Karl Poppers zu den Folgen der Theorien von Marx führt die Repressionen in kommunistischen Staaten darauf zurück, dass die Utopie der klassenlosen Gesellschaft zum Scheitern verurteilt sei. Diese Einschätzung erfreut sich gerade in ihrer umgangssprachlicheren Version „Die Idee des Kommunismus ist ja eigentlich gut, aber lässt sich halt nicht umsetzen“ einer enormen Popularität. Neben dem Vorwurf ineffizienter Planwirtschaft, sind dafür vor allem die Anwendung von Gewalt und Unterdrückung in kommunistischen Staaten die Hauptargumente. Dabei wird vor allem an den „roten Terror“ während des russischen Bürgerkrieges 1918-21 sowie die Gewaltherrschaften Stalins und Maos gedacht.

 

Marx und Engels wird darüber hinaus vorgehalten, dass sie die Folgen der Industrialisierung falsch prognostiziert hätten. Als Argument dafür werden die gesteigerten Lebensbedingungen der Industriearbeiter*innen in den kapitalistischen Staaten im letzten Drittel des 19. und erst recht des 20. Jahrhunderts ins Feld geführt. Dass die Kommunisten gerade in Russland und China zu Zeitpunkten an die Macht kamen, als diese Länder gemäß der Theorie von Marx und Engels für eine kommunistische Revolution noch gar nicht reif waren, wird ebenfalls genutzt um ihre Theorie ad absurdum zu führen. Aber besteht die Kluft zwischen Arm und Reich nicht nach wie vor im Verhältnis zwischen den kapitalistischen Industriestaaten und dem globalen Süden?

 

Die Repression, die alle kommunistischen Systeme des 20. Jahrhunderts durchzieht, ist das Symptom dafür, dass die Utopie der klassenlosen Gesellschaft faktisch gescheitert ist. Dies rechtfertigt es, vom „Ende des Marxismus“ auch angesichts der Tatsache zu reden, dass es nach wie vor eine kommunistische Großmacht gibt – die Volksrepublik China, deren wirtschaftlicher Aufschwung mit einer deutlichen Vergrößerung der Kluft zwischen Arm und Reich einherging.

 

Neben den Bedingungen für die erfolgreichen kommunistischen Revolutionen des 20. Jahrhunderts, werden wir auch Phasen der kommunistischen Staaten betrachten, die bei ihrer (negativen) Bewertung kaum genannt werden. So z.B. die Phase der wirtschaftlichen Erholung in der Sowjetunion zwischen 1920/21 und 1928/29, der sogenannten „Neuen Ökonomischen Politik“ sowie die Entstalinisierung unter Chruschtschow und die Perestroika Gorbatschows. Des Weiteren wird die Frage in den Fokus genommen, ob und inwieweit es in den kommunistischen Staaten und Apparaten nicht auch Bewegungen gab, die der gewaltsamen Politik entgegenstanden. Gab es vielleicht sogar die Möglichkeit, dass sich der sowjetische Kommunismus von innen heraus demokratisiert?

 

Mit all diesen Fragestellungen einhergehend stellen sich umso dringlicher die Fragen: Warum ist das kommunistische Experiment gescheitert? Oder musste es sogar „auf entsetzliche Weise“ scheitern? War die Gewaltherrschaft Stalins also eine notwendige Folge des kommunistischen Umsturzes?

 

Es bleibt also zu fragen, ob nicht alternative Entwicklungen des Kommunismus im 20. Jahrhundert – vor allem in Richtung eines demokratischen Sozialismus – denkbar waren.

Hierzu werden wir einen Blick auf die Theorie von Marx und Engels werfen. Waren ihre Analysen der Gesellschaftsformen, die sie vorfanden, Phantastereien verbohrter Ideologen oder aber profunde Erklärungsmuster historischer Prozesse?    

Linkspopulismus - Fluch oder Segen?

12. Januar 2017

Der Referent ist Prof. Dr. Peter Imbusch der Bergischen Universität Wuppertal.

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Populismus. So oder ähnlich könnte man die gegenwärtige Lage in Europa beschreiben. Wenn man sich mit dem Phänomen Populismus beschäftigt, dann stößt man allenthalben auf ein ambiguitäres, höchst umstrittenes sozialwissenschaftliches Konzept. Populismus an sich hat keinen guten Ruf: Mit ihm wird in der Regel eine irrationale oder bedenkliche Politik assoziiert; der Begriff selbst ist eher negativ besetzt; und Populist zu sein, gilt politisch als Stigma. Als Selbstbezeichnung kommt deshalb Populismus so gut wie nie vor. Populismus kann dabei verschiedene Formen annehmen und bspw. als Diskursstrategie, als Herrschaftstechnik oder als soziale Protestbewegung in Erscheinung treten. Politisch scheint er ohnehin eher eine Art Chamäleon zu sein: Er kann rechte wie linke Inhalte kennzeichnen. Im erstgenannten Sinne wäre der Begriff Populismus eher ein Klassifikationsversuch für eine bestimmte Politik, im letztgenannten Sinne aber ein politischer Kampfbegriff, weil der Vorwurf des Populismus beizeiten selbst populistisch sein kann.

 

Der vorherrschende Populismus in Europa ist seit jeher rechtsgerichtet, differenzorientiert und exkludierend angelegt. Doch wie steht es um den Linkspopulismus? Gibt es den überhaupt? Und wenn ja, wie sieht dieser aus? In dem Vortrag soll es nach einigen einführenden Bemerkungen zum Begriff und Phänomen des Populismus zunächst dezidiert um die Unterschiede zwischen Rechts- und Linkspopulismus gehen. Sodann folgt der Vortrag den Spuren des Linkspopulismus in Deutschland, Südeuropa und Lateinamerika, um zu verdeutlichen, was Linkspopulismus bedeuten kann und wie er wirkt. Abschließend soll es um den Stellenwert des Linkspopulismus für die Demokratie gehen.